Piesacken und mehr Gehör

Fünf Kandidaten legen bei GZ-Podiumsdiskussion ihre Standpunkte dar

[FLOAT_RIGHT]Anhang anzeigen 2086 [/FLOAT_RIGHT]So vergnüglich kann Kommunalpolitik sein: Bei der GZ- Podiumsdiskussion haben fünf Kandidaten nicht nur ihre Positionen dargelegt, sondern sich auch zu humorvollen Äußerungen hinreißen lassen.

"Bierernst" sollte die Podiumsdiskussion zur Kommunalwahl in Geislingen nicht werden, hatte GZ-Redaktionsleiter Roderich Schmauz gleich zu Beginn betont. Kurzerhand fragte er am Dienstagabend die 60-köpfige Besucherrunde im Kapellmühlsaal, wer "Normalbürger" und wer Kandidat sei. Ergebnis: halbe-halbe.
Bei den fünf Männern auf dem Podium, die ihre jeweiligen Listen für den Geislinger Gemeinderat vertraten, gings zunächst um Persönliches. So erfuhr man, dass CDU-Fraktionschef Holger Scheible zur Zeit der 68er-Revolte Student in Berlin war und sich dachte: "Die werden auch noch gscheit." Für SPD-Fraktionschef Dr. Hansjürgen Gölz, zwei Jahre älter, war es die Zeit, mit der der "Muff der Nachkriegsjahre" beendet wurde ("ich wurde beschimpft, weil ich mit Tennisschuhen durch Geislingen ging"). Thomas Kellner, 57-jähriger Kandidat der Freien Wähler für Kreistag und Regionalparlament, wollte als Kind Lokführer werden und der Traumjob des 45-jährigen GAL-Kandidaten Bernhard Lehle wäre Zoodirektor gewesen. Holger Schrag (35), der die Liste "Junges Geislingen/Die Linke" repräsentiert, gab unumwunden zu, provokant wirken, "freche Kommunalpolitik" machen und "die Verwaltung piesacken" zu wollen.

Ganz so provokant jedoch gings auf dem Podium nicht zu. Die Listenvertreter ließen sich zu keinen Attacken gegen Konkurrenten hinreißen. Freier Wähler Thomas Kellner betonte sogar, dass politische Parteien ein wichtiger Bestandteil der repräsentativen Demokratie seien - allerdings müsse es eine Ebene wie die "Freien Wähler" geben, in der sich auch engagierte, unabhängige Bürger einbringen könnten. Dass Kommunalwahlen sehr stark personenbezogen sind, betonte auch Holger Scheible (CDU), der freimütig bekannte, seit 25 Jahren schon kein CDU-Parteiprogramm mehr gelesen zu haben, trotzdem aber zu dessen Grundzügen zu stehen.
Moderator Roderich Schmauz versuchte, seinen Gesprächspartnern gegensätzliche Positionen zu entlocken, zumal doch manches in den Wahlbroschüren "eher allgemein und schwammig" formuliert sei. Scheible freilich widersprach: Konkret fordere die CDU, die örtlichen Steuern nicht zu erhöhen. Für Dr. Hansjürgen Gölz (SPD) liegt das Schwergewicht seiner Partei im Bemühen um eine soziale Stadt, um der drohenden Spaltung der Gesellschaft in Arm und Reich entgegen- zuwirken.
Kellner sieht das strukturschwache Geislingen am Rande der Region in seiner Entwicklung bedroht. Deshalb gelte es, die Interessen auf Kreis- und Regionalebene zu stärken. Wichtig erscheinen ihm die Fürsorge für Kinder und die Unterstützung des bürgerschaftlichen Engagements, das in Geislingen einen hohen Stellenwert habe.
Ähnlich die Position der GAL, die mehr Bürgerbeteiligung fordert und sich seit jeher der Ökologie verschrieben hat. Lehle plädiert für kostenlose Kindergärten, für mehr Integration und verbesserte Bildungschancen.
Auf Kinder, Jugendliche und Familien zielt Schrags Liste "Junges Geislingen/Die Linke" ab. Ganz wichtig aber auch: Ein Aktionsbündnis gegen Rechtsextremismus. Schrag will die Kommunalpolitik "so transparent machen, dass die Leute sie verstehen". Er möchte deshalb "in den Sumpf reinstoßen".
Nach zwei Stunden folgte Kritik aus dem Publikum, das bis dahin nur zuhören konnte - für einen der Besucher auch ein Zeichen mangelnder Bürgerbeteiligung. Vier Redner erzwangen mit ihrer Kritik am "Nel Mezzo" (Städtischer Sportplatz) eine dreiviertelstündige Verlängerung und betonten, dass der Bürger "nicht nur Objekt der Politik" sein, sondern auch mitreden wolle. Einigkeit bestand bei den Kandidaten bei der Forderung nach mehr Bürgerbeteiligung, wenngleich sie unterschiedliche Wege beschreiten wollen.
Über den Autor
Holger Schrag
Holger Schrag ist selbständiger IT-Dienstleister (Fachinformatiker, Jugendmediencoach) und seit der Kommunalwahl 2009 Mitglied des Geislinger Gemeinderats.
2010 gründete Schrag das Stadtwiki Geislingen an der Steige.

Seit März 2016 Vorsitzender des Stadtjugendring Geislingen e.V.

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Holger Schrag
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